Jahresbilanz der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Landshut 2020

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++ Corona beherrscht auch das Jahr der Freiwilligen Feuerwehr
++ Zwei Kameraden mutwillig angefahren, vier Kameraden im Einsatz verletzt
++ Einsatzzahl mit 1.406 weiter konstant hoch
++ Deutliche Steigerung an Einsatzstunden, Gesamtarbeitsstunden rückläufig
++ Vereinsaktivitäten, Vereinsleben und Stadtteilaktivitäten leiden unter Corona

Das Jahr 2020 der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Landshut stand natürlich ebenso wie das gesamte öffentliche Leben nahezu ausschließlich unter dem Eindruck von
Corona. Dies führte auch bei der Landshuter Feuerwehr zu einem deutlichen Rückgang an Übungen und Sicherheitswachen sowie leider einem kompletten Wegfall des Vereinslebens. Die Einsatzzahl blieb dagegen nahezu konstant hoch, knapp über dem Niveau des Vorjahres und hat erstmals die 1.400er Marke gekratzt. Insgesamt 1.406 Einsätze
mussten durch die acht Landshuter Löschzüge sowie die zugehörigen Fachgruppen und Sondereinheiten im Jahr 2020 ableisten.
Dabei mussten die Landshuter Einsatzkräfte leider auch viele Einsätze bewältigen und verarbeiten, bei denen die Feuerwehr schlussendlich nicht mehr helfen konnte. Insgesamt
mussten im vergangenen Jahr bei Einsätzen der Feuerwehr zehn Todesfälle beklagt werden. Seitens der Einsatzkräfte gab es 2020 im aktiven Dienst vier verletzte Kameraden
zu verzeichnen. Diese wurden zum Glück nicht schwerer verletzt. Besonders ärgerlich wiegt dabei die Fußverletzung eines Kameraden, der mehrmals mutwillig von
einem Autofahrer angefahren wurde. Ein weiterer Kollege hatte bei einer ähnlichen Aktion mehr Glück, er wurde nur touchiert und nicht verletzt.

Mitgliederstand zum 31.12.2020
Die Zahl der Mitglieder im aktiven Feuerwehrdienst liegt zum 31. Dezember 2020 mit 376 (358 männlich, 18 weiblich) gut über dem Vorjahresstand (345 – 329 m / 16 w). Die
aktuelle Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehr, die sich weiter großer Beliebtheit erfreut (Mitgliedsalter ab 14 Jahren), liegt bei 23 (Vorjahr 24). Erfreulicherweise konnten trotz
der Corona-Krise im vergangenen Jahr 30 Frauen und Männer neu aufgenommen werden (davon 5 in die Jugendfeuerwehr). Vier Personen sind ausgetreten und vier Personen wurden studien- bzw. arbeitsbedingt für ein Jahr beurlaubt. Die Landshuter Feuerwehr verfügt damit erfreulicherweise über eine konstant starke Mannschaft an aktiven
Einsatzkräften.
Der Gesamtmitgliederstand der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Landshut e. V. liegt mit allen aktiven, passiven, fördernden und Ehrenmitgliedern (164) sowie mit den Mitgliedern
der Jugendfeuerwehr und mit den beiden Musikgruppen Spielmannszug (10 Mitgl.) und Feuerwehrkapelle (53 Mitgl., davon 7 parallel im aktiven Dienst) bei 619.

Einsatz-, Übungs- und Wachzahlen
Das nahezu unverändert hohe Einsatzniveau ist der Landshuter Feuerwehr leider auch 2020 – und das trotz Corona erhalten geblieben. Mit 1.406 Einsätzen ist die Gesamtzahl
gegenüber dem vorangegangenen Jahr (2019: 1.376) nochmals leicht gestiegen (plus 2,1 Prozent). Allerdings kann festgehalten werden, dass die Zahl an schwerwiegenden
Einsätzen bis auf wenige Ausnahmen doch vor allem im Frühjahr/Sommer leicht zurückgegangen ist. Die Steigerung an Einsätzen lag vor allem am Orkantief Sabine
im Februar mit rund 230 Einsätzen an zwei Tagen sowie weiteren gut 50 Einsätzen bei zwei Unwetterlagen im Sommer.

Einsatzverteilung der Landshuter Feuerwehr im Jahr 2020

Im Einzelnen musste die Landshuter Feuerwehr im abgelaufenen Jahr 412 Brandeinsätze (Vorjahr: 446; minus 7,5 Prozent), 903 Technische Hilfeleistungen (Vorjahr 824;
plus 9,6 Prozent) und 91 sonstige Tätigkeiten (Vorjahr 106; minus 14 Prozent) abarbeiten. In den sonstigen Tätigkeiten sind 19 Erkundungseinsätze der Feuerwehrführung,
12 Alarme für die ebenfalls durchwegs von ehrenamtlichen Einsatzkräften der Landshuter Feuerwehr betreute Kreiseinsatzzentrale in der Hauptfeuerwache, 22 Einsätze des
Katastrophenschutzzuges sowie acht Einsätze der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung integriert. Gerade die letztgenannten Fachkomponenten waren im Rahmen
der Corona-Krise vor allem im Frühjahr und Frühsommer während des Katastrophenfalls täglich stark gefordert. Zusammen mit den im Rahmen des Bay. Katastrophenschutzgesetzes
bestellten Örtlichen Einsatzleitern Stadtbrandrat Gerhard Nemela, Stadtbrandinspektor Martin Dax und Zugführer Sebastian Öllerer haben der Katastrophenschutzzug
und die UG-ÖEL, die täglich mehrere Mitglieder für Koordinations- und Logistikaufgaben in der Hauptwache stationiert hatten, in dieser Zeit alleine rund 5.000
Arbeits- und Einsatzstunden abgeleistet.

In den voranstehenden Zahlen sind insgesamt 234 Fehlalarme (Vorjahr 220; plus 6,4 Prozent) inbegriffen. Die Fehlalarme resultieren zum allergrößten Teil aus automatisch
ausgelösten Brandmeldeanlagen. Ebenso mit erfasst sind fälschlicherweise ausgelöste Rauchwarnmelder sowie einige Irrtümer respektive Falschwahrnehmungen der Meldenden.
Zu den Fehlalarmen durch automatische Brandmeldeanlagen weist die Feuerwehr an dieser Stelle nochmals auf die Sorgfaltspflicht aller Personen (Betreiber – Mitarbeiter
– Handwerker – Besucher) im Wirkkreis von Brandmeldeanlagen hin. Bei vermeidbaren Auslöseursachen (Handwerksarbeiten, fehlende Informationsweitergabe, unsachgemäßer
Umgang, usw.) werden die Einsätze durch die Feuerwehr in Rechnung gestellt.

Was die Einzelzahlen der Rauchwarnmelder betrifft, so bestätigen die Zahlen der die Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Geräte. Im Einsatzgebiet der Landshuter Feuerwehr
gab es im Jahr 2020 insgesamt 34 Alarme durch Rauchwarnmelder (Vorjahr 39). Erneut konnten die Rauchwarnmelder dabei in 50 Prozent der Fälle frühzeitig auf entstehende
Brände hinweisen, rechtzeitig Alarm schlagen und dadurch größeren Schaden für Mensch, Tier und die jeweiligen Objekte verhindern. In den allermeisten Fällen
handelte es sich bei der Auslöseursache um angebranntes oder vergessenes Essen.

Die Corona-bedingt rückläufige Zahl an Verkehrsunfällen und hier vor allem an schweren Verkehrsunfällen mit mehreren Fahrzeugen macht sich 2020 in einer deutlich niedrigeren
Zahl an geretteten und betreuten Personen bemerkbar. Die Zahl der von der Feuerwehr aus misslichen Lagen (Drehleiterrettungen, Verkehrsunfälle, eilige Türöffnungen, usw.) geretteten Personen sowie der Personen, die von Sanitätern der Feuerwehr betreut wurde, lag im Jahr 2020 zusammen bei 199 (Vorjahr 317; minus 37 Prozent).
Alles in allem leisteten die Landshuter Feuerwehrfrauen und -männer im vergangenen Jahr ehrenamtlich 17.452 Einsatzstunden (Vorjahr 13.816 – plus 26 Prozent). Dies entspricht
knapp 50 Einsatzstunden pro aktivem Feuerwehrmitglied (Vorjahr 40).

Die Anzahl der Sicherheitswachen kann wegen der Corona-Krise nicht im Vergleich zum Vorjahr herangezogen werden. Durch den Lockdown, die bestehenden Einschränkungen
sowie die Absage aller Großveranstaltungen ist die Zahl der erforderlichen Sicherheitswachen deutlich – von 205 auf 41 gesunken, die in den Monaten Januar – März zu leisten waren. Dementsprechend niedrig ist mit 369 Stunden die Zahl an geleisteten Wachstunden (Vorjahr: 3.127)

Das gleiche wie bei den Wachen galt 2020 auch für die Übungen und Ausbildungen. Diese wurden ab März nahezu komplett auf null gefahren und auch in den Sommermonaten
wurden nur die notwendigsten Übungen mit verringerter Teilnehmerzahl durchgeführt. An Lehrgängen wurde nur der Grundausbildungslehrgang unter deutlich erhöhten Hygienestandards durchgeführt. Alle anderen Lehrgänge wurden abgesagt. Dementsprechend wurden bei der Landshuter Feuerwehr 2020 „nur“ 6.325 Übungsstunden
(2019: 12.900) durchgeführt. Rechnet man die vorgenannten Zahlen auf, so hat eine Feuerwehrfrau bzw. ein Feuerwehrmann im Jahr 2020 im Schnitt gut 68,40 Stunden ehrenamtlichen Dienst für die Allgemeinheit (Vorjahr 86) und damit für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Landshut und Umgebung geleistet. In diesen Zahlen nicht enthalten sind derzeit allerdings die Zeiten für Übungs- und Ausbildungsvorbereitungen und Besprechungen der Zugführer und Feuerwehrführung, da diese derzeit noch nicht detailliert erfasst und ausgewertet werden können.

Zwei Kameraden im Einsatz angefahren – vier Einsatzkräfte im Einsatz verletzt
2020 war leider auch ein Jahr, in dem sich die Einsatzkräfte erneut vermehrt mit uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern und rücksichtslosen Personen beschäftigen musste. Bei
einigen Einsätzen mussten erst Platzverweise der Polizei herhalten, um Schaulustige aus dem Arbeitsbereich der Feuerwehr zu bekommen. Während ein vorsätzlich angefahrener
Kamerad beim Orkantief Sabine noch mit dem Schrecken davon kam, so erwischte es im Herbst einen weiteren Kameraden deutlich schlimmer. Ein uneinsichtiger Autofahrer wollte die Sperrung nicht akzeptieren und fuhr dem absperrenden Kameraden in Folge des Gesprächs mehrmals über bzw. an den Fuß. Bei diesem Vorfall, bei einem Brandeinsatz, beim Orkantief Sabine sowie einem medizinischen Notfall wurden 2020 leider auch vier Feuerwehrmänner im Einsatz verletzt. Alle vier erlitten zum Glück „nur“ leichtere Verletzungen und konnten das Krankenhaus jeweils nach erfolgter ambulanter Behandlung wieder verlassen. Teilweise mussten die Kameraden im Anschluss ein bis zwei Wochen krankgeschrieben werden und konnten damit auch ihrer regulären beruflichen Tätigkeit nicht nachgehen. Am schlimmsten erwische es hier den angefahrenen Kollegen.

Rückblick auf einige Einsätze 2020
Das Einsatzjahr 2020 begann am 2. Januar mit einem ausgedehnte Wohnhausbrand und einer in den Flammen verstorbenen Person. Eine weitere Person wurde verletzt.
Die Einsatzkräfte konnten auf Grund der enormen Brandausbreitung beim Eintreffen der Feuerwehr nichts mehr für den Bewohner tun, auch das Haus war nicht mehr zu retten.
Am 10. Februar wurden Stadt und Landkreis Landshut von Orkantief Sabine in einer Heftigkeit heimgesucht, wie schon lange nicht mehr geschehen. Über zwei Tage hatte alleine die Landshuter Feuerwehr 230 Einsätze abzuleisten. Weitere Einsätze im Stadtgebiet wurden von der BMW Group Werk Landshut und der Drehleiter der Feuerwehr Ergolding abgeleistet. Mehrere Löschzüge unterstützen über das Jahr verteilt die Feuerwehren des Landkreises bei Großbränden auf Landkreisgebiet, unter anderem in Altdorf, Unterglaim und Bruckberg. Dazu beschäftigte die Feuerwehr noch ein umgestürzter Feldhäcksler bei Berndorf, ein schwerer Verkehrsunfall in der Luitpoldstraße sowie eine unter einem Lieferwagen eingeklemmte Person im Innenstadtbereich.

Neue Ausrüstung 2020 / Neubauten 2020
Im Zuge der weiteren Modernisierung der Feuerwachen und des Fuhrparks konnten 2020 weitere Fortschritte gemacht werden. Der Feuerwehrbedarfsplan, der sowohl für
die Dimensionierung der einzelnen Standorte als auch für die Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände die Grundlage liefert, wurde 2020 fertiggestellt und vom Landshuter
Stadtrat am 26. Juni einstimmig verabschiedet. Die Feuerwache Siedlung nimmt mehr und mehr Gestalt an und soll Ende des ersten Quartals 2021 bezogen werden. Am Hofberg
sowie für den Ausbau der Atemschutzwerkstatt in der Hauptfeuerwache laufen die Planungen, so dass auch hier 2021 auf die Baubeginne gehofft werden kann. An neuen
Fahrzeugen konnte im Sommer endlich das lange erwartete Löschgruppenfahrzeug „LF KatS“ aus dem Katastrophenschutzhaushalt des Bundes in Landshut in Empfang genommen
werden. Die im Rahmen des Feuerwehrbedarfsplans vorgesehene dritte Drehleiter konnte am Wochenende vor Weihnachten quasi mit dem Christkindl in Landshut begrüßt werden. Ebenfalls neu konnte 2020 ein zweiter Abrollbehälter „AB Pritsche“ für das große Katastrophenschutzfahrzeug in Dienst gestellt werden. Mit dieser Pritsche kann entweder der Teleskoplader der Landshuter Wehr bzw. einfach nur Material zu Einsatzstellen transportiert werden.

Vereinsleben 2020
Für das Vereinsleben und die Kameradschaft war das vergangene „Corona-Jahr“ natürlich ein sehr trauriges Jahr. Ab März waren alle Veranstaltungen, Aktionen und Kameradschaftsabende komplett auf Eis gelegt. Die von vielen Löschzügen ausgerichteten Stadtteilfeste, Tage der offenen Türe, Fronleichnamsfeste und dergleichen mussten im
vergangenen Jahr ebenso wie die Weihnachtsfeiern und Jahreshauptversammlungen allesamt entfallen. Auch der Spielmannszug und die Feuerwehrkapelle konnten im Januar
und Februar nur einen Bruchteil ihrer normalen Aktivitäten und Auftritte absolvieren, ab März waren keinerlei Auftritte mehr möglich. Auf Grund der vielen Teilnehmer
und der besonderen Corona-Regelungen für Blasinstrumente und Gesang waren hier dann mit Ausnahme des Sommers sämtliche Proben und Übungen untersagt.

Ausblick 2021
Für 2021 hofft die Landshuter Feuerwehr natürlich in erster Linie auf einen baldigen Weg zurück in eine „einigermaßen“ vernünftige Normalität, die neben Übungen, Ausbildungen
und Lehrgängen auch die für den Zusammenhalt der Truppe so wichtige Kameradschaft und das Vereinsleben ermöglichen. Dazu hoffen die Einsatzkräfte auf ein weiter
zügiges Vorankommen bei den Neubauten sowie im Rahmen der nochmals deutlich verknappten Haushaltslage der Stadt trotz alledem auf die weitere Modernisierung des
Fahrzeugparks und der Feuerwachen.

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