Handwerk steht vor großer Herausforderung

Nicole Bauer MdB (mitte) im Gespräch mit Josef Vögl (l.) und Stefan Vögl (r.) über die aktuellen Holzpreise und den Holzmangel
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Holzmangel wird zum Problem und Holzpreise schellen in die Höhe

Geisenhausen. Der Rohstoffmangel und damit verbunden auch die Rohstoffpreise sind für viele Betriebe in Niederbayern aktuell ein großes Risiko.

Aus diesem Grund besuchte die FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer kürzlich die Zimmerei Vögl in Geisenhausen, um sich vor Ort über die Situation und mögliche Lösungsansätze auszutauschen.

Josef Vögl gründete sein Unternehmen 1999 und stellte 2002 eine Abbundhalle im Gewerbegebiet Geisenhausen fertig. 2012 vergrößerte sich das Unternehmen um ein Bürogebäude, das gleichzeitig als Musterhaus und Ausstellung genutzt wird. 2019 wurde die Abbundhalle erweitert, um der steigenden Nachfrage im Holzhausbau nachzukommen. Neben seiner Frau Marianne Vögl und dem Sohn Stefan Vögl beschäftigt Josef Vögl derzeit 16 Mitarbeiter.

Nach einem kurzen Rundgang auf dem Firmengelände schildert Vögl zunächst, dass die größte Herausforderung für ihn momentan die stark angestiegenen Holzpreise und fehlende Lieferkapazitäten bei verarbeiteten Holzprodukten seien. Bei der Bestellung wisse man nicht, ob und wann man das bestellte Material bekomme, von verbindlichen Preisen ganz zu schweigen. „Das trifft aber nicht nur uns Zimmereien, auch die Bauunternehmen müssen enorm hohe Kosten für ihre Baustoffe tragen“, sagt Vögl.

Für Bauer ist klar: „Die Preisexplosion – insbesondere beim Bauholz – muss durch Aufhebung von Marktbeschränkungen mittelfristig gestoppt werden, damit der Bau des Eigenheims nicht zur bösen Überraschung wird.“ Die bereits sehr hohen Holzpreise drohen zudem noch weiter unter Druck zu geraten. Die Russische Föderation, aus der gegenwärtig 12 Prozent der weltweiten Rundholzexporte stammen, sieht mit Beginn des Jahres 2022 ein Exportverbot für Rundholz vor. Um dem Preisverfall auf dem Holzmarkt entgegenzuwirken, wurde bereits 2018 die Aktivierung des Forstschädenausgleichsgesetzes gefordert, doch erst im April 2021 trat die notwendige Rechtsverordnung in Kraft. „Die Einschlagbeschränkungen müssen dringend aufgehoben werden, denn diese tragen zu einer weiteren Verknappung und zu steigenden Preisen bei. Gleichzeitig muss der Frischholzeinschlag in Staatsforsten deutlich erhöht werden“, fordert Nicole Bauer.

Der vorgeschlagene Lösungsansatz der IHK Bayern ist ein Abschluss internationaler Rohstoffpartnerschaften und ein Ausbau der Kapazitäten innerhalb der EU. Der Abbau heimischer Rohstoffe solle auch durch Bürokratieabbau möglich bleiben und erleichtert werden.

Josef Vögl macht im Gespräch klar, dass sich die Preise dringend normalisieren müssen, damit sich die Lage im Handwerk wieder entspannt. Marianne Vögl bedenkt zudem, dass „der Hausbau zu einem Luxusgut wird und das darf nicht passieren.“

Man müsse auch prüfen, ob bereits abgeschlossene öffentliche Ausschreibungen insofern angepasst werden können, dass das Handwerk nicht allein die Preissteigerung von Holz und Baustoffen schultern muss. Bauer fordert bei Bauvorhaben grundsätzlich eine Anhebung der EU-weiten Ausschreibungswerte, damit die regionalen Unternehmen insgesamt besser berücksichtigt werden können.

„Insbesondere mit den Waldeigentümern, der Sägeindustrie, dem Holzgroßhandel und dem holzverarbeitenden Gewerbe müssen kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung des Holzpreises erarbeitet werden. Dazu gehört es auch, jetzt sowie in Zukunft regionale Wertschöpfungsketten zu entwickeln und sicherzustellen“, so die FDP-Bundestagsabgeordnete. Bauer und Vögl sind sich einig, dass es faire und angemessene Lösungen brauche, um das Handwerk zu entlasten und von einer einseitigen Übernahme der Preissteigerungen zu bewahren.

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