Droht Niederbayern ein erneuter Mangel an Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft?

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SPD forderte Entwicklung eines tragfähigen Konzepts von der Staatsregierung

„Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft waren in Niederbayern schon immer gesucht“, erinnert die Pfeffenhausener Landtagsabgeordnete an die Zeiten, als die Bewohner des Bayerischen Waldes in die Hallertau zur Hopfenernte reisten. „Hopfenzupfa hint ei´steig´n“ hieß es damals bei der  Bockerlbahn, die die Helferinnen und Helfer zu ihrem Einsatzort transportierte. Heute kommen die Helfer aus Polen, aus Rumänien und Moldawien. Und nicht mehr nur zur Hopfenernte, sondern auch zum Spargelstechen, zur Erdbeerernte, zum Drahtaufhängen und Ausputzen im Hopfen und nicht zuletzt liegen die Helfer auf den Gurkenfliegern, die im Gäuboden ernten. Wie schwierig die Einreisen und die Unterbringungen im letzten Jahr wegen Corona waren, ist allen in Erinnerung geblieben.  

Damit sich dieses Szenario nicht wiederholt, haben die beiden SPD-Landwirtschaftspolitikerinnen Ruth Müller und Martina Fehlner gefordert, dass gemeinsam mit Landwirtschaftsverbänden und Gewerkschaften für die kommende Erntesaison ein Konzept als Leitfaden für die Landwirtschaftsbetriebe entwickelt werden soll.

„Die Einreise von Saisonarbeitskräften im vergangenen Jahr war extrem schwierig. Nur durch die Mithilfe aus der Bevölkerung war es möglich, die anfallenden Arbeiten in der Landwirtschaft und im Gemüsebau zu erledigen“, so Ruth Müller, Mitglied im Landwirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags. Sie fordert daher, dass bayernweit einheitliche Vorgaben zur Einreise von Saisonarbeitskräften entwickelt werden. “Es ist dringend geboten, die Berufsverbände und den Maschinenring rechtzeitig mit einzubinden und frühzeitig Leitlinien zu erarbeiten, um auch den Saisonarbeitskräften die Möglichkeit zu geben, sich entsprechend der Vorgaben auf die Einreise vorzubereiten“, so Müller über ihre Initiative im Landtag.

Sie fordert, dass besonders im Hinblick auf die Mutationen ein abgestimmtes und bayernweit einheitliches Handeln vorgelegt werden muss. Die Abgeordnete zeigt sich enttäuscht, dass die Regierungsfraktionen den SPD Antrag diese Woche im Landwirtschaftsausschuss abgelehnt haben: „Es ist zu befürchten, dass die Hilfe aus der Bevölkerung bei den anfallenden Arbeiten in diesem Frühjahr nicht mehr so groß sein kann, denn an die Universitäten wird mittlerweile digital unterrichtet und so fallen beispielsweise die Studierenden aus“, so Müller. „Aus diesem Grund sollte schnellst möglichst eine Taskforce gegründet werden, die hier ein Konzept entwickelt.“

Der Antrag wurde seitens der CSU und der Freien Wähler mit der Begründung abgelehnt, es gäbe bereits gültige und mit den Verbänden abgestimmte und bayernweit einheitliche Vorgaben. „Hierzu habe ich andere Informationen und befürchte, dass wir, wenn wir kein abgestimmtes und bayernweit einheitliches Vorgehen sicherstellen, in wenigen Wochen wieder vor erheblichen Problemen stehen“, äußert sich Müller besorgt zur beginnenden Saison in der Landwirtschaft.

Foto: Büro Ruth Müller, MdL

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